Die große Klette – Arctium lappa

Heilpflanzen in Berlin

Läuft man als aufmerksamer Heilpflanzenbetrachter durch Berlin und hat etwas Zeit, stolpert man nahezu alle paar Meter über große und kleine Heilpflanzen. Da gibt es natürlich die Brennessel, das Schöllkraut oder den Vogelknöterich, welcher bevorzugt auf sandigen Kinderspielplätzen unauffällig „Hallo“ sagt oder aber die große Klette, die ihrem Namen im Sommer aller Ehren machen kann. Das folgende Bild zeigt eine nahe Verwandte, die ich vor Jahren auf einer Wiese in Thüringen fotografiert habe. Sobald mir nächstes Jahr ein schönes Exemplar in Berlin über den Weg läuft, gibts ein Bild.

Signaturen

Bevor es die Möglichkeit gab, Heilpflanzen im Labor auf ihre Inhaltsstoffe zu untersuchen, hat man die Pflanzen nach ihrer Signatur bewertet – eine Methode, die heute von Rationalisten per se abgelehnt und gerne ins Lächerliche gezogen wird. Diese Kritiker müssen sich allerdings vor Augen halten,daß die modernen Indikationen von Heilpflanzen ziemlich oft mit dem übereinstimmen, was „die Alten“ anhand der Siganturenlehre herausgefunden haben. Z.B. ist Schöllkraut eine traditionelle Heilpflanze zur Entkrampfung und bei Leber/Galle-Leiden. In den alten Büchern von Paracelsus und anderen wird dieser Bezug erwähnt – da sie gelb blüt, ihre Blätter an die Struktur der Leber erinnnern und der Milchsaft in den Stengeln ebenfalls gelb ist – gelb wie die Galle. Bitter wie die Galle. Aus wissenschaftlicher Sicht weiß man heute, daß der Gallenfluß angeregt und die glatte Muskulatur des oberen Verdauungstrakts entkrampft wird(durch Papaverin). Ebenso besteht eine leicht blutdrucksendkende und antimikrobielle Wirkung(Max Wichtl, Teedrogen und Phytopharmaka, 4.Auflage).

Großstadtentgifter

Ähnlich ist es mit der Klette. Ihre Blütenköpfchen erinnern an einen dichten Haarschopf – weswegen sie volksheilkundlich bei Haarausfall angewendet wurde. Auch heute noch wird das Wurzelöl als haarstärkendes Mittel eingesetzt – unter anderem inspiriert von Pfarrer Kneip, der die Heilpflanze bei dieser Indikation lobend erwähnte. Ebenso wird ihre Anwendung(Wurzeltee) von mehreren alten Anwendern bei eitrigen Ekzemen der Kopfhaut genannt(z.B.Leclerc). Und wenn ich hier Namen von alten Therapeuten nenne, dann handelt es sich nicht um Theoretiker, die Versuche in Laboren machten, sondern um Praktiker, die auf jahrzehntelange Erfahrungen zurückgreifen konnten – viel wichtiger als Doppelblind-Studien.

Spannenderweise wächst die Klette gerne in der Nähe der Menschen(Ruderalpflanze) und kommt auch in der Großstadt mit Dreck und Abgasen gut klar. Auf dem Mittelstreifen der Schönhauser Allee sah ich vor Jahren ein Riesenexemplar mit gigantischen Blättern wachsen – als ob es keinen besseren Platz für sie hätte geben können. Auf Friedhöfen ist sie mir auch schon des öfteren über den Weg gelaufen :). Wer gut mit Umweltgiften klarkommt, hat anscheinend auch keine Probleme mit Körpergiften – Klette wird nämlich ebenso als leberstärkende Heilpflanze erwähnt – die Leber, der große Entgifter des Körpers. Eine Erhöhung der Harnmenge sowei eine schweißtreibende Wirkung gehört auch zu ihrem Wirksbild – Eintgiftung über die Niere bzw.Haut. Andere Indikationen, bei denen ich Klettenwurzel gerne in den Tee mische: Diabetes(begleitend – hoher Inulingehalt), rheumatischer Formenkreis, chron.Schmerzzustände, Neurodermitis, unreine Haut, Akne, Allergien, Wundheilungsstörungen.

Inhaltsstoffe:

  • Inulin
  • Schleimstoffe(Polysaccharide)
  • fettes Öl
  • Fettsäuren
  • Phosphorsäure
  • ätherisches Öl
  • Gerbsäuren

CAVE! Die hier beschriebenen Wirkungen sind zum Teil empirisch-volksheilkundlicher Natur und könne nicht zwingend als Fakt gedeutet werden – und, wie immer: Die Dosis macht das Gift(Paracelsus).

Quelle: Flamm/Kroeber /Seel: Die Heilkraft der Pflanzen, Hippokrates Verlag 1949